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Darum beneide ich ihn

Innere AntreiberNein, das ist kein inszeniertes Bild. Leider. So sieht es schon mal aus, bei uns zu Hause. Während ich spätestens jetzt anfange, Ordnung in die Bude zubringen, schafft es Marcus tatsächlich, entspannt alles liegen und stehen zu lassen, um mit Luis ein Buch zu lesen. Das macht mich wahnsinnig und gleichzeitig beneide ich ihn darum. Denn in meinem Kopf geht das ganz wenig. Ich kann entspannen wenn alles fertig ist. Wenn die Wäsche gefaltet, das Essen vorbereitet und die Pakete bei der Post sind. Mein Antreiber, meine innere Stimme flüstert mir leise und stetig ins Ohr: „Eva, erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ oder „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“

Das Konzept der inneren Antreiber

In meiner Kindheit habe ich viel Zeit mit meinem Opa und meiner Oma verbracht. Sie haben mir diese Weisheiten mit auf den Weg gegeben. Ungefragt im guten Sinne. 30 Jahre später sind die Worte immer noch da, obwohl die beiden seit sehr langer Zeit tot sind. Auch heute noch ist die Aussage hinter den Sprüchen wahr und sie helfen mir einerseits produktiv zu sein, Dinge fertig zu bekommen und anderseits hindern sie mich zu entspannen. Ja, die Dosis macht bekanntlich das Gift.
In der Psychologie gibt es dazu das Konzept der inneren Antreiber.
Man versteht darunter Überzeugungen und Ansprüche an uns selbst, die wir im Laufe unseres Lebens – vor allem in der Kindheit – gelernt und verinnerlicht haben. Auf der einen Seite motivieren sie uns. Auf der anderen Seite hindern uns innere Antreiber oftmals, nämlich dann, wenn sie überzogen sind und uns dazu bringen, gegen unsere Bedürfnisse und Interessen zu handeln.Welcher Antreiber bei dir aktiv mitmischt, kannst du in diesem Test herausfinden.)

Irgendwas ist immer

Das dumme am „Entspannen, wenn alles fertig ist“ ist, dass ich nie fertig bin. Irgendwas ist immer. Seit wir Kinder haben, gibt es immer Wäsche zum waschen, es gibt immer Sand unter meinen Füßen, es gibt immer hungrige Mäuler und die Spülmaschine räumt sich auch nicht von alleine aus.Vielleicht mag ich deshalb den Spruch der Pianistin Vivian Greene so gerne:

Zitat Vivien Greene

Zitat Vivien Greene

Für mich bedeutet er soviel wie: Egal was gerade ansteht, wer gerade schreit, was gerade erledigt werden muss: Vergiss nicht zu Leben! Fröhlich zu sein! Die Dinge leicht zu nehmen! Nicht warten bis Freitag ist, bis Urlaub ist, bis die Kinder im Kindergarten sind, bis wir jeden Tag eine Putzfrau haben, bis Oma da ist… Sondern auch das tägliche Chaos auszuhalten und den Kaffee auf der Terrasse trotzdem oder gerade deshalb zu genießen.

Die rush hour des Lebens

Dass ich damit nicht alleine bin, fällt mir bei meinen Seminaren auf. Für Teilnehmer ist es oftmals kein Problem, fünfzig Stunden die Woche zu arbeiten, gleichzeitig zwei kleine Kinder mit groß zu ziehen, nebenbei noch ein Haus zu bauen, immer tipp-topp aus zu sehen, Sport zu machen, im Verein aktiv zu sein und sich um die pflegebedürftigen Eltern zu kümmern. Alles geballt. Oftmals in den Jahren zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Die „rush hour des Lebens“ sozusagen. Womit sie aber ein Problem haben, ist abzuschalten. Nichts zu tun. Umzuschalten. Den Kopf in den Wind zu hängen.

Erlaubersätze helfen mir

Für mich ist es ein Problem. Immer dies und das noch schnell erledigen, alles fertig haben wollen, bevor die Füße auf das Sofa dürfen. Ich weiß, es klingt komisch und momentan mache ich morgens bewusst das Bett nicht und das ist für mich wirklich harte Arbeit. Ich übe mich darin, Sachen liegen zu lassen. Mit mir und dem Tag zufrieden zu sein, obwohl noch so vieles getan werden will. Folgende Erlaubersätze murmel ich dann leise wie ein Mantra vor mich hin:

– Ich erlaube mir, mich zu entspannen.
– Ich erlaube mir, aufzutanken.
– Ich erlaube mir, mir Gutes zu tun.

Das klappt nicht immer und immer öfter.

In diesem Sinne: innere Antreiber

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